Überblick
Tibet ist ein Land vieler Feste, die die ganze Farbigkeit und Ausdruckskraft des tibetischen Buddhismus zeigen. Das bedeutendste unter ihnen ist Monlam Chenmo, das Große Gebetsfest. Es beginnt kurz nach Losar, dem tibetischen Neujahr, und zieht sich traditionell bis zum 15. Tag des ersten Monats hin. Der Termin liegt meist im Februar oder März.
Im Mittelpunkt steht das gemeinsame Gebet. Mönche und Laien bitten um ein gutes Jahr und um Fortschritt auf dem geistigen Weg. Für viele Gläubige ist die Teilnahme das religiöse Ereignis des Jahres.
Ursprung bei Tsongkhapa
Gestiftet wurde Monlam Chenmo im Jahr 1409 von Tsongkhapa, dem Begründer der Gelug-Schule des tibetischen Buddhismus. Er rief in Lhasa erstmals zu einem großen Gebetstreffen am Jokhang-Tempel, dem heiligsten Heiligtum Tibets, auf. Aus diesem Anlass wurde ein jährlich wiederkehrendes Fest.
Über die Jahrhunderte wurde Monlam zum Sammelpunkt tausender Mönche aus den großen Klöstern rund um Lhasa, darunter Drepung, Sera und Ganden. In dieser Zeit fanden auch feierliche Prüfungen für den höchsten Gelehrtengrad statt.
Ablauf und Maskentänze
Zu den tibetischen Klosterfesten gehören die Cham-Tänze, ein Mysterienspiel mit aufwendigen Masken. Die Tänzer stellen Schutzgottheiten und Dämonen dar. Für die Zuschauer sind die Tänze zugleich religiöse Unterweisung, denn sie führen die Grundgedanken des Glaubens vor Augen.
Rezitationen heiliger Texte, Butterlampen und kunstvolle Figuren aus gefärbter Butter prägen die Tage. Die gemeinsame, spirituelle Atmosphäre und das Einswerden mit der Gemeinschaft der Gläubigen machen den besonderen Reiz des Festes aus.
Das Fest heute
Die politische Lage in Tibet hat die öffentliche Feier von Monlam über lange Phasen stark eingeschränkt. In der tibetischen Diaspora, etwa in Nordindien, wird das Große Gebetsfest jedoch weiterhin begangen und hält die Tradition lebendig.
Verwandte buddhistische Feste stellen ebenfalls das Gebet und den Kalender in den Mittelpunkt, etwa Boun Ok Phansa in Laos oder das Pagodenfest Phaung Daw U in Myanmar.